Schuldig: Gil Ofarim gesteht Lüge vor Gericht

Gil Ofarim

Britta Pedersen/picture-alliance/Cover Images

Dramatische Wende im Fall Gil Ofarim (41). Der Sänger ('It's Your Love') hat am sechsten Prozesstag zugegeben, sich Antisemitismus-Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter eines Leipziger Hotels nur ausgedacht zu haben. Der Prozess am Landgericht wurde am Dienstag (28. November) vorläufig eingestellt.

Was hatte sich Gil Ofarim nur dabei gedacht?

Dort hatte sich der Sänger seit dem 7. November unter anderem wegen Verleumdung verantworten müssen. Vor mehr als zwei Jahren hatte er in einem Video auf Social Media behauptet, ihm sei im Hotel der Check-In unter Verweis auf seinen Davidstern verweigert worden. Es kam zu Protesten gegen das Hotel, doch der Vorwurf des Antisemitismus konnte nie bewiesen werden. Die Betreiber gingen in die Offensive, erhoben Klage — und bekamen jetzt recht. "Die Vorwürfe treffen zu", hatte Gil vor Gericht gestanden. Damit meinte er die Vorwürfe Staatsanwaltschaft. Bei dem beschuldigten Hotelangestellten entschuldigte sich der Musiker. Der soll die Entschuldigung laut 'Bild' angenommen haben.

Mehr als zwei Jahre eine Lüge erzählt

Mehr als zwei Jahre war Gil Ofarim bei seiner Geschichte geblieben, hatte Interviews gegeben, auch wenn niemand seine Aussage bestätigen konnte und auch Sicherheitskameras seinen Davidstern nicht zeigten. "Es liegt jetzt ein angenommener Vergleich über Schmerzensgeldansprüche des Herrn W. gegen Herrn Ofarim vor. Wir lesen ihn nicht vor, aber er wird vollstreckt", wird Richter Stadler zitiert. Eine Kriminalstrafe werde es nicht geben. "Eine Entschuldigung ist für die Rehabilitierung wertvoller als ein Urteil." Der Ruf des Hotelmanagers sei wiederhergestellt, und mit seinem Geständnis könne Gil jetzt auch an der Wiederherstellung seines eigenen Rufes arbeiten. "Die Chance auf einen befreiten Neustart ist sein Gewinn." Ob sich das Image des Sängers so leicht wieder polieren lässt, wird sich zeigen. Zudem hat der Star dem Kampf gegen den Antisemitismus einen Bärendienst erwiesen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland verurteilte ihn bereits scharf, schrieb auf X/Twitter, Gil habe "all denen, die tatsächlich von Antisemitismus betroffen sind, großen Schaden zugefügt. Neben der Öffentlichkeit hat er auch die jüdische Gemeinschaft belogen. Wir haben in unserer Gesellschaft ein Antisemitismus-Problem, viele sind gerade in der jetzigen aufgeheizten gesellschaftlichen Situation verunsichert und erleben Judenhass und Ablehnung. Es ist richtig, bei einem Antisemitismusvorwurf auf der Seite des Betroffenen zu stehen, ihm beizustehen und die Antisemitismuserfahrung zunächst nicht in Frage zu stellen. Umgekehrt darf so ein Vorwurf niemals grundlos erhoben werden. Und das ist hier leider passiert."

Der Verurteilte erhielt die Auflage, 10.000 Euro an die Jüdische Gemeinde Leipzig und an den Trägerverein des Hauses der Wannseekonferenz zu bezahlen. Dafür hat er sechs Monate Zeit, dann wird das Verfahren gegen Gil Ofarim endgültig eingestellt – die Schande bleibt womöglich sehr viel länger.

Bild: Britta Pedersen/picture-alliance/Cover Images

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