Dieser Gerichtstermin hat sich gelohnt: Ein Mann aus Hessen hat ein Online-Casino mit Sitz in Malta verklagt – und recht bekommen. Über 11.700 Euro muss das verurteilte Online-Casino ihm nun zurückzahlen – zuzüglich Zinsen. Doch das Verfahren könnte erst der Anfang sein: Den Betreibern droht eine massive Klagewelle und die Branche gerät in Aufruhr. Doch was ist überhaupt passiert und worum geht es eigentlich? Hier erfahren Sie es!

Übrigens: Nicht nur im Bereich des Online-Glücksspiels kommt es immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten, sondern auch bei stationären Casinos. Nicht selten sind auch Promis in die Prozesse involviert und stehen vor Gericht. 

11.758,50 Euro am Roulettetisch verzockt

Die Einsätze sind getätigt, die Kugel rollt im Roulettekessel. Gebannt warten die Spieler, in welchem Feld sie liegen bleiben wird. Unter ihnen befindet sich auch ein Mann aus Hessen. Er nimmt virtuell an einem Live-Roulette-Spiel teil, spielt also auf der Website eines Online-Casinos und verfolgt den Lauf der Kugel auf seinem Bildschirm.

Über mehrere Monate geht das so, mal gewinnt er – häufig verliert er jedoch. Mit der Zeit häufen sich die Verluste, schließlich liegt er beinahe 12.000 Euro im Minus. Hier könnte die Geschichte enden, doch der Mann hat eine Idee: Er sucht sich einen Anwalt und zieht vor Gericht, fordert vom Anbieter die Rückzahlung seines verlorenen Geldes.

Das Online-Casino als schlechter Verlierer

Und tatsächlich: Die Klage ist erfolgreich, im Jahr 2021 gibt ihm das Landgericht Gießen recht, das Online-Casino muss zahlen. Begründung: Das angebotene Glücksspiel sei illegal gewesen, das beklagte Unternehmen besitze keine Konzession für Online-Glücksspiele im Land Hessen.

Doch das verurteilte Online-Casino zeigt sich als schlechter Verlierer und unzufrieden mit dem Urteil. Und so legt das Unternehmen Berufung ein, die Sache geht an das Oberlandesgericht Frankfurt.

Die Entscheidung der Frankfurter Richter

Mehr als ein Jahr nach dem Urteil der Gießener Richter ist nun auch in nächster Instanz ein Beschluss ergangen. Das Ergebnis ist unmissverständlich: Die Richter am Oberlandesgericht Frankfurt erachten die von dem Konzern eingelegte Berufung als unbegründet und die Klage des Spielers aus Hessen als zulässig.

Der Argumentation des Unternehmens, der Spieler hätte sich selbst über die in seinem Heimatland gültige Rechtslage informieren müssen, während dies dem Unternehmen nicht zuzumuten sei, folgen die Richter nicht. Die Gießener Entscheidung hat damit Bestand, das Unternehmen muss die Verluste nebst Zinsen zurückzahlen und auch die Prozesskosten tragen.

Ein Urteil mit Signalwirkung?

Die Entscheidung aus Hessen ist kein Einzelfall. Auch zuvor waren schon mehrfach Klagen von Spielern erfolgreich gewesen, die ihre Verluste von illegalen Online-Casinos zurückgefordert hatten. Neu ist jedoch, dass die Auseinandersetzung die Parteien bis vor das Oberlandesgericht und damit zu einer höheren Instanz führte.

Der klare Beschluss der Frankfurter Richter könnte damit eine Signalwirkung für weitere Spieler haben, die auf eine Rückerstattung ihrer Verluste hoffen. Der Anwalt des betroffenen Spielers aus Hessen gab beispielsweise bekannt, dass sich allein seine Kanzlei um 400 weitere Verfahren dieser Art kümmere.

Folgt der Klagewelle eine Pleitewelle?

Doch auch dies dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein. Millionen Spieler in Deutschland nahmen in der Vergangenheit an illegalen Online-Casinospielen teil und könnten sich durch die Entscheidung der Frankfurter Richter ermutigt fühlen, ihre Verluste ebenfalls zurückzufordern. Schätzungen zufolge könnte sich die Branche hier mit Forderungen in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro konfrontiert sehen. Ob die Unternehmen dies schadlos überstehen können oder einer möglichen Klagewelle auch eine Pleitewelle nachfolgt, ist ungewiss.

Zuletzt waren immer wieder Unternehmen in Bedrängnis geraten – und das nicht nur in Deutschland. Erst Ende des letzten Jahres war beispielsweise bekannt geworden, dass sich das Unternehmen bet-at-home.com aufgrund erwarteter Spielerklagen aus Österreich zur Bildung hoher Rückstellungen gezwungen sah.

So auch ein weiteres Urteil vom 28.04.2022 (Az.: 2 O 636/21): die Betreiberin eines Online-Casinos muss den Verlust einer Spielerin in Höhe von 22.000 Euro vollständig ersetzen.

Mehr Klarheit dank des neuen Glücksspielstaatsvertrags

In Deutschland soll derweil zukünftig der neue Glücksspielstaatsvertrag für mehr rechtliche Klarheit und ein sicheres Spielvergnügen bei Casino-Anbietern in Deutschland sorgen. Dafür sieht der am 1. Juli 2021 in Kraft getretene Staatsvertrag verschiedene Bestimmungen vor, die dem Spielerschutz und der Suchtprävention dienen sollen.

Betreiber, die sich an die Bestimmungen halten und diese konsequent umsetzen, können dann von der zuständigen Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder mit Sitz in Halle (Saale) eine deutschlandweit gültige Erlaubnis für das Angebot von virtuellen Automatenspielen erhalten und die Spiele damit endlich legal und rechtssicher anbieten.

Mehr als zehn Monate nach dem Inkrafttreten wurde nun die erste Erlaubnis an ein Unternehmen erteilt, weitere werden vermutlich bald folgen. Interessierte können die zugelassenen Anbieter auf einer im Internet einsehbaren behördlichen White-List einsehen.

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