Charly Hübner und Ehefrau Lina Beckmann „lieben“ die Zusammenarbeit

"Spaziergang nach Syrakus": Anne (Lina Beckmann) ahnt nichts von Pauls (Charly Hübner) heimlichen Fluchtplänen aus der DDR.

„Spaziergang nach Syrakus“: Anne (Lina Beckmann) ahnt nichts von Pauls (Charly Hübner) heimlichen Fluchtplänen aus der DDR. Foto: Sammy Hart / Pandora Film

Manche Orte sind Sehnsuchtsorte, lange bevor man sie selbst gesehen hat. Für Paul Gompitz ist es Syrakus. Der Kellner aus Rostock träumt Anfang der 1980er Jahre von Sizilien und davon, die Welt mit eigenen Augen zu sehen. Weil die DDR ihm die Reise verweigert, plant er schließlich seine Flucht – mit einem entscheidenden Unterschied: Paul will gar nicht im Westen bleiben. Er will reisen und danach nach Rostock zurückkehren.

Genau diese paradoxe Geschichte hat Charly Hübner (53) an "Spaziergang nach Syrakus" (Kinostart: 20. August) gereizt. Vor rund zehn Jahren brachte er selbst Friedrich Christian Delius' Roman "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus", der die wahre Geschichte des DDR-Bürgers Klaus Müller aufgreift – die Vorlage zum Film – wieder ins Gespräch. "Mich beschäftigte damals dieser Gedanke des Fliehens und des Reisens", erzählt der Schauspieler im Interview mit spot on news, der bei dem Film auch als Co-Produzent beteiligt ist. "Paul will eigentlich nicht fliehen, sondern reisen oder zumindest die Möglichkeit dazu haben. Das ist ein entscheidender Unterschied. Trotzdem wird er immer wieder wie ein Flüchtling behandelt."

Faszination Syrakus auf Sizilien

Heute hat Hübner selbst eine besondere Beziehung zu Syrakus. "Allerdings hat Syrakus [meinen bisherigen Sehnsuchtsorten] inzwischen ernsthafte Konkurrenz gemacht", sagt er. Was ihn dort fasziniert, ist nicht in erster Linie das UNESCO-Welterbe, sondern die Atmosphäre: "Das ist es gar nicht in erster Linie. Es ist diese Aura." Besonders die Gegensätze der sizilianischen Stadt haben es ihm angetan: die Altstadt Ortigia, der Festungshafen, restaurierte Palazzi und gleich daneben halb verfallene Häuser. "Alles wirkt gleichzeitig uralt und lebendig", beschreibt Hübner. "Syrakus ist so alt, Millionen von Leben sind durch sie hindurch gerauscht. Das spürt man."

Am stärksten erlebt er diesen Zauber früh am Morgen oder spät in der Nacht. Dann sei die Stadt "fast menschenleer, aber nicht leblos". Für einen Schauspieler, der selbst immer wieder zwischen unterschiedlichen Formen und Welten wechselt, klingt das fast wie eine Erklärung für die Faszination des Films: Auch Paul sucht einen Ort außerhalb der gewohnten Zeit.

Dass Hübner selbst zuletzt neue Sehnsuchtsorte entdeckt hat, macht die Geschichte dabei noch persönlicher. "Seit neustem London", sagt er. Dazu kommen Malin Head in Irland und das französische Marseille. "Auch Marseille ist eine Stadt, in der ich mir gut vorstellen könnte zu leben", sagt er.

Und dann ist da Rostock. Für Paul ist die Stadt Gefängnis und Heimat zugleich. Für Hübner ist sie bis heute ein Ort, zu dem er regelmäßig zurückkehrt. "Wir haben tatsächlich in Rostock und der Umgebung gedreht. Aber ich bin ohnehin regelmäßig dort", erzählt er. Nostalgie nach seinen "Polizeiruf 110"-Jahren (2010-2022) empfindet er trotzdem nicht: "Das war eine wilde, schöne, manchmal kämpferische Zeit. Jetzt sind andere Zeiten."

"Wir lieben es, miteinander zu arbeiten"

Vielleicht liegt genau darin die besondere Qualität von "Spaziergang nach Syrakus": Der Film erzählt nicht einfach von einem Mann, der wegwill. Paul liebt Rostock, seine Frau Anne und sein Leben – und will trotzdem wissen, was hinter der Grenze liegt. Lina Beckmann (45), Hübners Frau, spielt Anne. Nach einer längeren gemeinsamen Pause standen beide erstmals wieder zusammen vor der Kamera. "Wir lieben es, miteinander zu arbeiten", sagt Hübner. "So haben wir uns ja auch kennengelernt – am Schauspielhaus Köln. In den ersten Jahren haben wir fast jedes Jahr zusammen ein Theaterstück oder einen Film gemacht. 2017 haben wir dann bewusst beschlossen, erst einmal eine Pause einzulegen." Inzwischen ist sie als Kommissarin Melly Böwe seine Nachfolgerin beim Rostocker "Polizeiruf 110". Bei der Staffelübergabe gab es ein paar gemeinsame Szenen.

Nach Drehschluss können die beiden dennoch gut abschalten: "Wir sprechen zu Hause gar nicht so viel über die Arbeit. Es sei denn, irgendetwas läuft schief oder eine Szene beschäftigt uns besonders, wie etwa die große Tischszene, in der ihre Figur plötzlich zu weinen beginnt." Bei der Erinnerung an diese Szene aus "Spaziergang nach Syrakus" gerät er ins Schwärmen. "Lina schafft es, aus dem Nichts eine Wärme in eine Szene zu bringen, die für mich fast etwas Metaphysisches hat."

(ili/spot)

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