Tine Wittler über ihr RTL-Comeback: „Die passenden Angebote fehlten“

Tine Wittler ist in „Die Verräter – Vertraue Niemandem!“ bei RTL zu sehen. Foto: RTL/Stefan Gregorowius
Die vierte Staffel "Die Verräter – Vertraue Niemandem!" startet bei RTL (montags bis donnerstags ab 20:15 Uhr, seit 3. August immer montags und mittwochs auf RTL+). 18 Prominente müssen im Chateau de Mielmont in Belgien herausfinden, wer als Loyaler und wer als Verräter das Strategiespiel spielt. Am Ende wartet ein Silberschatz von bis zu 50.000 Euro. Unter anderem stellt sich Einrichtungsexpertin und Moderatorin Tine Wittler (53) der Herausforderung.
Achtung, Spoiler!
Doch für Wittler ist das Abenteuer schnell vorbei: Die Verräter sehen in ihr eine Gefahr und nehmen sie in Folge drei aus dem Spiel. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht Tine Wittler über ihre Rückkehr vor die RTL-Kamera, ihre besondere Strategie im Schloss und die überraschende Gruppendynamik unter den Prominenten. Außerdem erklärt sie, warum sie sich keineswegs aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, welche Angebote sie ins Fernsehen zurückbringen könnten und weshalb "Einsatz in vier Wänden" für sie heute nur noch eines von vielen Kapiteln ist.
Wie kam es zu Ihrer Teilnahme an "Die Verräter", warum haben Sie wieder Lust auf Fernsehen gehabt?
Tine Wittler: Mich hat der Kontrast interessiert: Als einstmalige Vertrauensfigur werde ich plötzlich in ein Format geworfen, dessen soziale Grundwährung Misstrauen, Täuschung, soziale Unsicherheit und Rollenmaskierung sind. Das ist kein billiges Reality-TV, sondern eine unerwartete Erfahrungserweiterung – sowohl für mich als auch für die Zuschauer.
Wie hat es sich angefühlt, nach so vielen Jahren wieder vor der RTL-Kamera zu stehen?
Wittler: Für mich ist Kamera Kamera, egal von welchem Sender oder für welche Aufgabe. Ich stehe bis heute sehr oft vor Kameras – ob Foto, Film oder TV – und gebe immer mein Bestes, wenn ich denn einmal zugesagt habe, mich zu engagieren. Allerdings suche ich diese Projekte sehr, sehr gezielt aus. Ich brauche keine Aufmerksamkeit oder Präsenz, um mein Leben als wertvoller Mensch zu bestreiten, denn mein wahres Leben findet immer abseits dieser Kameras statt. Aber wenn ich aus einer neuen Aufgabe etwas zu lernen können glaube, was mich in meiner Entwicklung weiterbringt oder woran ich auch einfach nur Freude haben oder diese an andere vermitteln könnte, sage ich sehr gern zu.
Bei "Die Verräter" geht es um Menschenkenntnis, Misstrauen und Strategie. Würden Sie sagen, Sie können Menschen schnell durchschauen?
Wittler: Durch Erfahrung und auch durch meine spirituelle Arbeit bin ich durchaus in der Lage, gewisse Mechanismen, Muster und Verhaltensweisen einzuordnen. Ich verlasse mich grundsätzlich auf meine Intuition, mein Bauchgefühl, meine mittlerweile sehr geschulte Beobachtungsgabe und mitunter auch auf die Prinzipien, die ich mir in meinen 53 Lebensjahren erarbeitet habe, um meinem inneren Kern treu zu bleiben. Das hilft mir, mich sicher zu bewegen und meine Mitmenschen einzuschätzen. Es bedeutet aber nicht, dass ich Hellseherin oder in meinen Einschätzungen unfehlbar bin.
Haben Sie sich vorher eine Strategie überlegt oder sind Sie ohne Plan in die Show gegangen?
Wittler: Wenn es eine Strategie gab, dann die, entspannt zu bleiben und meine Beobachtungsgabe nicht zu verlieren. Und mir zu sagen: Das hier ist ein Spiel, nichts anderes. Ich bin niemand, der sich aus fadenscheinigen Gründen auf eine Seite schlägt. Stattdessen versuche ich immer, alle möglichen Perspektiven mit einzubeziehen – auch die meiner potenziellen "Feinde". Das kann Durcheinander im eigenen Bewusstsein nach sich ziehen, aber auch große Klarheit im Sinne des Erkennens der Strategien oder Muster anderer.
Was hat Sie schlussendlich an der Sendung überrascht, was der Zuschauer so nicht zu sehen bekommt?
Wittler: Gruppendynamische Prozesse finde ich als jemand, der sich auch viel mit psychologischen Themen beschäftigt, unfassbar spannend. Mir war zwar von Vornherein klar, dass diese Prozesse bestimmt zum Spiel gehören – aber wie sie dann auch durch produktionstechnische Umstände beschleunigt wurden, hat selbst mich überrascht.
Sie leben heute bewusst eher von der Öffentlichkeit zurückgezogen. Hat Ihnen diese Ruhe im Spiel geholfen oder war der Trubel mit 17 weiteren Prominenten eine echte Umstellung?
Wittler: Das ist so nicht richtig. Ich lebe nicht von der Öffentlichkeit zurückgezogen, sondern bewege mich heute selbstbestimmt in einer Öffentlichkeit, die direkter und intimer ist als das lineare Fernsehen. Also: Bühne, Live-Publikum, echte Kommunikation mit echten Gegenübern. Ich toure laufend durchs ganze Land, stehe viele Abende im Jahr auf Kleinkunstbühnen oder im Theater. Und zum Stichwort "Trubel": Auch 17 Prominente sind 17 echte Menschen. Nichts anderes.
Wie war die erste Begegnung mit den anderen Promis im Schloss?
Wittler: Extrem emotional für mich war die Entdeckung von Ralph Morgenstern und Hardy Krüger im Cast – beides Menschen, mit denen ich noch einige Wochen zuvor gemeinsam auf der Bühne gestanden hatte im Ensemble vom "Jedermann". Als ich diese beiden vorm Schloss stehen sah, dachte ich: Heiliger Bimbam, da ist Zunder drin. Die meisten der anderen Mitspieler waren mir bis dato völlig unbekannt.
In Ihrer Instagram-Bio steht: "Die Wittlerin schreibt, spielt, werkelt, singt, liest & coacht". Wie muss man sich Ihren Alltag vorstellen, was sind Ihre Haupttätigkeiten?
Wittler: Ich bin freiberufliche Bühnenkünstlerin und Autorin. Also: Bühnenarbeit mit Lesungen, Chansonprogrammen, Schauspiel. Seit einem Jahrzehnt spiele ich vermehrt Theater, bin selbst als Kulturveranstalterin tätig und engagiere mich für Kulturarbeit im ländlichen Raum. Als bildende Künstlerin schaffe ich laufende Werkreihen, die immer meine große Liebe zur Sprache mit Bildhaftem verbinden.
"Einsatz in vier Wänden" hat lange zu Ihrem Leben gehört. Wie prägt die Sendung Sie persönlich oder Ihr Leben bis heute?
Wittler: Ich bin dankbar für die Erfahrung und habe daraus sowohl Vor- als auch Nachteile mitgenommen. "Einsatz in 4 Wänden" ist ein zehn Jahre andauerndes Kapitel in einem Leben von heute 53 Jahren. Es ist also ein wichtiger, aber nicht der entscheidende Teil in meiner Biografie.
Hat Ihnen das TV-Comeback Lust auf weitere Fernsehprojekte gemacht?
Wittler: Ich habe mich nie gegen eine weitere TV-Präsenz gesträubt, nur die passenden Angebote fehlten. Wie gesagt: Ich lebe nicht in der Vergangenheit. Ich möchte mich weiterentwickeln und nehme deshalb nur Aufgaben an, denen ich mich durch innere Überzeugung zu 100 Prozent gern widme. Eine solche Anfrage hat es in den vergangenen 14 Jahren bezüglich TV – bis auf sehr wenige punktuelle Engagements – leider nicht gegeben. Mir sind die meisten Konzepte, die mir zugetragen wurden, zu eng oder zu rückwärtsgewandt. Konkrete Ideen, die auch für mich eine Weiterentwicklung und wirkliche Herausforderung bedeuten würden, werden aber immer gern gehört und sorgfältig abgewogen.
(jom/spot)





