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„I, Tonya“: Die große Abrechnung der gestrauchelten Eisprinzessin?

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Die zielstrebige Eisprinzessin mit der eiskalter Mutter greift zwar nicht selbst zur Eisenstange, doch dank einiger Trottel wird die Konkurrenz damit trotzdem ausgeschaltet – so in etwa könnte man den Plot des Biopics „I, Tonya“ (Kinostart: 22. März) zusammenfassen. Wäre da nicht die wahre Geschichte hinter dem Film.

Wer ist Tonya Harding?

Tonya Harding (47) kommt am 12. November 1970 in ärmlichen Verhältnissen in Portland, Oregon, zur Welt. Sie wird Eiskunstläuferin. Als erster Amerikanerin überhaupt gelingt ihr bei einem Wettbewerb 1991 gleich zweimal der anspruchsvolle Sprung „Dreifacher Axel“. Die Weltmeisterschaften im selben Jahr in München markieren dann den Startschuss zur polarisierenden Rivalität zwischen der Silbermedaillengewinnerin Harding und der Drittplatzierten Nancy Kerrigan (48) – Kristi Yamaguchi (46), ebenfalls US-Amerikanerin, gewinnt zwar Gold, tritt aber 1992 zurück.

Seinen dramatischen und kriminellen Höhepunkt findet der Konkurrenzkampf zwischen Harding und Kerrigan in dem Attentat am 6. Januar 1994, bei dem Kerrigan mit einer Eisenstange am Knie verletzt wird. Sieben Wochen später nimmt sie dennoch an den Olympischen Spielen 1994 im norwegischen Lillehammer teil und gewinnt Silber. Harding schafft die Qualifikation ebenfalls und wird Achte. Doch da ist ihre Verbindung zum Attentat schon bekannt und sie in den Medien längst die „Eishexe“.

Die Ermittlungen zum Attentat werden erst nach diesen Olympischen Spielen 1994 beendet; Harding wird lebenslang gesperrt, obwohl sie bis vor Kurzem stets bestreitet, etwas von den Plänen ihres damaligen Ehemannes Jeff Gillooly, der den Attentäter beauftragt und bezahlt hatte, gewusst zu haben. Im Rahmen einer Vereinbarung bekennt sie sich dennoch schuldig und wird wegen „Behinderung der Ermittlungen“ zu drei Jahren Haft auf Bewährung, der Zahlung von 160.000 US-Dollar sowie 500 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Kerrigan beendet ihre Eislaufkarriere ebenfalls und bleibt der Medienliebling.

Für Harding läuft es dagegen nicht so gut. Vielfältig, aber erfolglos versucht sie beruflich wieder Fuß zu fassen: im Film, beim Boxen, Autorennen, Catchen… Erst im Januar 2018 räumt Tonya Harding in einer zweistündigen Dokumentation des US-Senders „ABC“ ein: „Ich wusste, dass da etwas lief“, sagt sie darin über die Pläne. Eingeweiht gewesen sei sie aber nicht. Über Kerrigan und ihr eigenes Bild in der Öffentlichkeit damals sagt sie heute: „Sie ist eine Prinzessin und ich bin ein Haufen Scheiße.“

Was erzählt der Film „I, Tonya“?

Der Film erzählt davon, dass der Vater die Familie früh verlässt. Fortan ist die kleine Tonya ihrer gnadenlosen Mutter ausgeliefert. Diese drillt das Mädchen zur ehrgeizigen und knallharten Eisprinzessin. Lob, Herzenswärme, Trost oder Liebe gibt es nie, dafür brutale Gewalt, die sich in ihren Liebesbeziehungen fortsetzt.

Das Biopic erzählt auch von ihrem großen sportlichen Talent und davon, dass die Kampfrichter sie dennoch ablehnten. Denn Tonya Harding entsprach nicht dem Image der „Eisprinzessin“. Sie trank, rauchte, fluchte und lief auf dem Eis in selbstgenähten Kostümen zu Heavy-Metal-Musik. Glamour? Fehlanzeige!

Und es geht natürlich auch um das Verbrechen an Nancy Kerrigan. „I, Tonya“ zeigt hier den kriminellen Akt dreier erstaunlicher Trottel – und damit ist nicht Tonya Harding gemeint…

Fazit

„I, Tonya“ ist ein unkonventionell erzähltes und sehr unterhaltsames Biopic, das von einem der großen Skandale der Sportgeschichte erzählt. Die Antiheldin wird dabei nicht in Schutz genommen, man erfährt aber, warum sie so ehrgeizig und hart wurde. Vor allem aber legt der Film auch einen Finger in eine große gesellschaftliche Wunde: die Verantwortungslosigkeit und Sensationslust der Medien und des Publikums im Umgang mit solchen Persönlichkeiten und Skandalen.

In einer Schlüsselszene wendet sich die Film-Harding direkt an das Kinopublikum und erzählt davon, als Kind und in ihrer ersten Ehe (Gillooly) vergewaltigt worden zu sein, den schlimmsten Missbrauch habe sie aber durch die Medien und die Öffentlichkeit erlebt. Wer da nicht schlucken muss…

Ziemlich sehenswert ist der Film für all jene, die sich noch an den gnadenlosen Konkurrenzkampf zwischen Harding und Kerrigan und den unfassbaren Showdown erinnern können. Doch auch alle anderen werden bei diesem Sportlerdrama mit viel schwarzem Humor packend unterhalten. Dafür sorgt allein schon Allison Janney (58, „Girl on the Train“), die für ihre Darstellung der eiskalten Mutter der einstigen Eisprinzessin mit dem Oscar und vielen weiteren Filmpreisen völlig zurecht ausgezeichnet worden ist.

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