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Burt Reynolds: Das Schlitzohr hat ausgekocht

Wusstest Du schon...

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Alt ist er geworden. Oder besser gesagt: Anders ist er geworden. Eingefallene Wangen, gelblich fahle Haut, die Augen liegen tief in den Höhlen und wirken dadurch lemurenhaft groß. Dieses Gesicht könnte das Werk eines Maskenbildners sein, der einen Vierzigjährigen auf Greis trimmt. Oder es könnte das eines 130-Jährigen aus dem Kaukasus sein, der sich mit Knoblauch und Wodka ganz passabel gehalten hat.

An diesem Donnerstag wird Burt Reynolds 80 Jahre alt

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Kaum jemand kommt darauf, dass dieses Gesicht Burt Reynolds gehört. Erst nach längerem Hinsehen erkennt man ihn. Der dichte Haarschopf, die buschigen Augenbrauen, der trotzige Schnurrbart, letzterer allerdings künstlich nachgedunkelt. Und bei dem Haupthaar soll es sich um ein Toupet handeln. An diesem Donnerstag wird Burt Reynolds 80 Jahre alt.

Seine Paraderolle: „Das ausgekochte Schlitzohr“

Das waren noch Zeiten als er der männlichste Mann von ganz Hollywood war. Seine Paraderolle: „Das ausgekochte Schlitzohr“, ein Typ, der mit seinem aufgemotzten Trans Am die Bullen aus mehreren Bundesstaaten serienweise narrt. Eine äußerst erfolgreiche Auto-Komödie, die mit „Auf dem Highway ist die Hölle los“ eine Blockbuster-Fortsetzung hatte. Und Reynolds war ein Kassenmagnet. Er war ein Draufgänger wie aus dem Bilderbuch. 1,80 Meter groß, muskulös, gut aussehend und immer braun gebrannt. Sportlich war er von Haus aus, denn er hatte ein Football-Stipendium der Florida State University ergattert, wo er auch in das All-Star-Team gewählt wurde.

Vom Nachwuchs-Footballer zum Sexsymbol

Vom Sport wechselte er zur Schauspielerei. Nach der Ausbildung am Hyde Park Playhouse in New York gab er am Broadway sein Theaterdebüt. Und mit „Beim Sterben ist jeder der Erste“ (1972) gelang ihm der Durchbruch im Kino. John Boormans düsterer Actionthriller war bei Kritik und Publikum sehr erfolgreich und gilt als Reynolds‘ bester Film.

Er war nun ein Star, doch zum Sexsymbol schaffte es sexy Burt mit einem einzigen Foto: 1972 posierte er in der Aprilausgabe der Frauenzeitschrift „Cosmopolitan“ als Centerfold-Model. Reynolds räkelte sich nackt auf einem Bärenfell. Die Frauen waren verrückt nach ihm – und er nach ihnen; unter anderem hatte er Affären mit der Kollegin Sally Field (69, „Lincoln“), dem Tennisstar Chris Evert und der Golfspielerin Dinah Shore.

Reynolds lehnte Rolle als James Bond ab

Das Bärenfellbild machte Weltkarriere und Reynolds war als James Bond im Gespräch. Er wäre ein legendärer 007 geworden – und vieles hätte in seinem Leben einen anderen Verlauf genommen. Leider hatte er abgelehnt, wie so oft in seiner Laufbahn. Er sollte Han Solo in „Star Wars“ spielen und die männliche Hauptrolle in „Pretty Woman“, die dann an Richard Gere ging.

Auch für die Hauptrollen in „Einer flog über das Kuckucksnest“ und „Zeit der Zärtlichkeit“ konnte er sich nicht erwärmen, die übernahm dann Jack Nicholson, der damit zwei Oscars holte. Immerhin brachte Reynolds es mit „Boogie Nights“ (1997) zu einem Golden Globe und einer Oscar-Nominierung, obwohl ihm die Rolle eines Pornofilm-Produzenten nicht gefiel, doch die Kritiker waren begeistert.

Späte Reue und ruinöse Rosenkriege

In seinen Memoiren „But Enough About Me“ („Aber genug von mir“) rechnet Reynolds mit sich selbst ab. Er habe sich oft „wie ein Arschloch“ verhalten und nur an sich gedacht: „Ich war sehr jung und sehr blöd.“ Zu seinen größten Fehlern zählt er seinen hüllenlosen Auftritt auf dem Bärenfell – und die explosive Ehe mit Loni Anderson (70). Die Schauspielerin war (nach Judy Carne) seine zweite Ehefrau (1988-1993).

Und die Scheidung von Anderson geriet zur öffentlichen Schlammschlacht, die auch seine Karriere ruinierte. 1996 musste er zum ersten Mal Privatkonkurs abmelden. Schließlich kamen bösartige Gerüchte auf, Burt Reynolds sei an Aids erkrankt, weil er auffällig abgenommen hatte. In Wahrheit lag die Gewichtsreduzierung an einer Abhängigkeit von Schmerzmitteln nach einer Operation am Kiefer.

Gesundheit und Konto auf dem Tiefstand

Die letzten Jahre hat die Action-Ikone der 1970er- und 1980er-Jahre immer mehr abgebaut. „Zwei Rückenwirbel lösen sich mehr oder weniger auf“, sagte er der „BamS“. Außerdem habe er sich 2010 einer Herz-OP mit fünf Bypässen unterziehen müssen. Auch finanziell sah es nicht rosig aus. 2011 musste Reynolds erneut Bankrott anmelden, angeblich weil er die Hypotheken für sein Haus in Florida nicht mehr bedienen konnte. Der Schuldenstand: rund eine Million Euro. Seine Villa wurde zwangsversteigert. Laut „Spiegel“ kamen 2014 „700 Erinnerungsstücke und Filmrequisiten seiner Karriere unter den Hammer. Die ersteigerten 2,3 Millionen Euro sollen das Finanzloch vorerst gestopft haben“.

„Sei nett zu Freunden und noch netter zu Feinden“

Der Draufgänger von einst ist altersmilde geworden. „Sei nett zu deinen Freunden und noch netter zu deinen Feinden und sieh zu, dass du eine gute Frau findest“, sagte er im vergangenen November in einem Interview mit „Entertainment Tonight“. Eine neue Frau hat er bereits, seine „viel jüngere“ Freundin Rhonda Stearns hatte ihn in einem Kurs der Schauspielschule kennengelernt, die Burt Reynolds nun betreibt. Aus Hollywood ist er längst weggezogen, er lebt nun in Jupiter im Sonnenstaat Florida, dem Paradies der Rentner.

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