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Helen Mirren: „Sexismus war damals die Norm“

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Ab 15. März ist die britische Schauspielerin Helen Mirren (72, „Eye in the Sky“) in dem Fantasy-Thriller „Winchester: Das Haus der Verdammten“ zu sehen. Darin spielt sie die Witwe des berühmten Waffenherstellers William Winchester.

Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ spricht die Wahlamerikanerin über die Liebe der Amerikaner zu ihren Waffen. Sie könne sich nicht vorstellen, „dass sich in Amerika irgendwas an diesem Kult ändern könnte“.

Im Zusammenhang mit Waffen habe sie schon „so viele grauenhafte und absolut destruktive Ereignisse erlebt“, so Helen Mirren. „Die Zahl der Menschen, die jährlich durch Waffen ums Leben kommen, ist einfach atemberaubend, weil sie so hoch ist. Trotzdem wollen die Amerikaner ihr Recht auf Waffenbesitz nicht aufgeben.“ Mirren vergleicht das mit der Kultur der Maya, „in der den Göttern Menschen geopfert wurden. Der Gott der Amerikaner ist das Gewehr.“ Sie seien bereit, „diesem Gott ihre Mitbürger zu opfern. Darunter sind Kinder oder Menschen mit Depressionen, die sich selbst töten.“ Doch das würden die Amerikaner eben „in Kauf“ nehmen.

Meistens geht es in den USA um Geld. Das Gefühl, minderwertig zu sein, zerfrisst das Gehirn und verführt zu Taten, die man mit gesundem Menschenverstand nicht zu begreifen sind. Gier ist eine gefährliche Triebfeder. Während jeder beispielsweise beim Glücksspiel seine Casino Erfahrungen machen kann – auch Online -, dass es sehr gesittet zugeht, weil strenge Auflagen gelten, hat die Waffenlobby alle Beschränkungen verhindert. Nicht immer sind die Täter alleine verantwortlich, sondern auch die, die Taten ermöglicht haben.

Mirren über die Waffenlobby

„Wenn sie dazu bereit sind“, sagt Mirren, dann habe sie nicht das Recht, „ihnen das vorzuwerfen“. Sie sehe das „größere Problem“ ohnehin „in der weltweiten Produktion von Waffen, mit der Unmengen von Geld verdient wird“, erklärt Mirren der „FAS“ weiter. Sie frage sich, wie man es „mit seinem Gewissen vereinbaren“ könne, „Waffen herzustellen und damit zu handeln“?

So denkt sie über die „MeToo“-Debatte

Auf die „MeToo“- und „Time’s Up“-Debatte angesprochen, sagt Mirren, dass es dafür „höchste Zeit“ war. Sie sei sich wie jede Frau „der Ungerechtigkeit bewusst“ gewesen. Sie selbst aber habe „nie so ein dramatisch negatives Erlebnis“ gehabt. „Es klingt jetzt blöd, aber wenn es Übergriffe irgendwelcher Art gab, kann ich mich nicht mehr daran erinnern“, so Mirren. Dies liege vielleicht daran, „dass die­ser all­täg­li­che Se­xis­mus da­mals die Norm war“, blickt die 72-Jährige zurück. „Ich kannte es ja nicht anders.“ Deswegen sei es aber „so großartig, dass wir heute sagen: Nein, das ist eben nicht die Norm.“

Außerdem führt Mirren an, dass ihre Karriere am Theater anfing. Dort habe es zwar auch „Übergriffe und männlichen Machtmissbrauch“ gegeben. „Aber er war nicht so offensichtlich, weil weniger Geld im Spiel war. […] Als ich dann spä­ter nach Hol­ly­wood kam, war ich schon in mei­nen Drei­ßi­gern und kei­ne nai­ve An­fän­ge­rin mehr. Ich hat­te ei­nen ge­wis­sen Sta­tus und die Pha­se, in der Schau­spie­le­rin­nen et­was der­ar­ti­ges pas­siert, über­sprun­gen“, so Mirren.

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